Habe meinen gestrigen Abend in einem gemülichen chinesischen Restaurant in Observatory verbracht, ein Kapstädter Viertel, in denen tags wie nachts zwielichtige Gestalten herumlaufen (ich wechsel immer die Straßenseiten, wenn unsere Wege sich kreuzen sollten). Die Fenster und Türen aller Häuser sind mit Eisenstäben vergittert, wobei dies nichts besonderes, sondern überall in Kapstadt Mode ist. Nachdem ich das beste Cashewchicken meines Lebens genossen hab, verbrachte ich einige Zeit damit, ein Glas trockenen Rotwein in der Hand haltend in eine Kerzenflamme zu schauen und Colbie Caillet zuzuhören, die mich an die Haus-WG in Deutschland erinnerte. Am Tisch gegenüber saßen Franzosen, am Tisch neben mir englisch sprechende Mädels, von denen 2 deutschen Akzent hatten und neben mir versuche ein Deutscher mittleren Alters, Verbindung zu einer Südafrikanerin aufzunehmen. Menschen beobachten macht schon Spaß. Sie sind es, die die Reise erst interessant machen. Ich bin frei wie ein Vogel, an einem der schönsten Flecken der Erde, werde täglich überwältigt von neuen Eindrücken, kann tun, lassen und erleben was ich will. Aber wie ich mit meinem Freund und Zivikollegen Seby Englert (Deutschlands Schlagzeugzukunft) vor einigen Jahren einmal festgestellt habe: "Selbst wenn du der König der Welt bist (ein Bild für "alles erreicht haben"), was machste dann? Ist das nicht ein bisschen langweilig, wenn du es mit keinem teilen kannst?" Ich merke in diesen Tagen, wie Recht wir hatten. Ich war auf dem Tafelberg, habe die einzigartige Erfahrung gemacht, Wolken anzufassen, die sich todesmutig Richtung Meer den Abhang runterstürzen (ja, es fühlt sich doch anders als Nebel an!), habe an einem der schönsten Strände meines Lebens (bisher) gechillt (Camps Bay Beach), bin öfter durch die Waterfront gelaufen als durch Egenhausen und bin in das undurchdringliche Kapstädter Nahverkehrsystem von Bussen, Blacktaxis und Cabs eingetaucht. Das alles ist toll, wunderbar und einzigartige Tagebucheinträge in der Story meines Lebens. Aber irgendetwas fehlt, wenn es dabei bleibt. Menschen. Menschen wie James, mein Zimmernachbar, der Kapstadt wie seine Westentasche kennt und durch einen Zwischenfall seine Firma verloren hat und nun im Backpacker lebt. Mit ihm habe ich schon einige Tage hier verbracht und "funny moments" gehabt. Oder Caroline, die mir direkt nach dem Überfall den Weg zum richtigen Blacktaxi gezeigt hat. Aus Simbabwe geflüchtet, arbeitet sie nun illegal in Kapstadt, da es in ihrer Heimat zu oft kein Brot zu kaufen gibt. Ihre Familie schlägt sich irgendwie durch die Tage... Menschen wie diese machen den Aufenthalt hier tiefer. Alleine fetzt nicht, Schönheit muss man teilen, sonst fehlt was. Hoffen wir, dass Gott mir noch mehr James und Carolines auf den Weg schickt...
So long
sandro
Ja, Sandro. Menschen sind wichtig. Was wäre z.B. Kapstadt ohne DICH :-)Schön dass Du sie zu schätzen weißt.
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